Tamilen haben nun einen würdigen Ort für das Gedenken

Fulerum/Frohnhausen.   Aus ganz Deutschland sind mehr als 400 Tamilen am Samstag zum Südwest-Friedhof gekommen, um das vom Essener Bildhauer und Steinmetzmeister Georg Schaab geschaffene Denkmal der Tamilen einzuweihen.

Aus ganz Deutschland sind mehr als 400 Tamilen am Samstag zum Südwest-Friedhof gekommen, um das vom Essener Bildhauer und Steinmetzmeister Georg Schaab geschaffene Denkmal der Tamilen einzuweihen.

„Dieser Tag hat eine große Bedeutung für uns“, sagt Gopalapillai Jeyasangar, Vorsitzender des Vereins der Eelam-Tamilen, „endlich haben wir einen Ort, wo wir unserer Toten gedenken können.“ Denn in ihrer Heimat Sri Lanka sei das nicht mehr möglich: Dort habe der politische Gegner 27 Friedhöfe dem Erdboden gleichgemacht und mit Parkplätzen und Shopping-Centern bebaut. „Hier bekommen unsere Verstorbenen ihre Würde wieder zurück“, sagt Jeyasangar, als sich der lange Zug, der sich an der Trauerhalle formiert hat, still und feierlich in Bewegung setzt.

Namen 27 zerstörter Friedhöfe

Viele halten Blumen und Kerzen in den Händen, und an ihren Gesichtern kann man ablesen, wie nahe ihnen dieser Augenblick geht. Allen voran eine ganze Reihe Kinder, die sich paarweise an den Händen halten. Sie sind auch die ersten, die am enthüllten Denkmal ihre Blumen ablegen. „Damit wir niemals vergessen“ steht in deutscher und tamilischer Schrift auf dem glatt polierten schwarzen Granitsockel, der einen Obelisken trägt. Seitlich sind nicht nur die Namen der 27 zerstörten Friedhöfe eingemeißelt; auch kleine Steinchen, die an den einstigen Begräbnisstätten eingesammelt wurden, haben hier einen Platz gefunden.

Die stilisierte Blüte einer Ruhmeskrone, der tamilischen Nationalblume, erwächst aus dem schwarzen Obelisk, „sie blüht nur im November und ist unser Symbol für Freiheit“, erzählt die 17-jährige Yathavi. Auch sie hat Verwandte, deren Gräber ausgelöscht wurden, „jetzt können wir immer hierhin kommen“, sagt sie, „darüber sind wir sehr froh.“. Noch einmal wird es ganz still, als Bildhauer Georg Schaab und der katholische Priester Albert Kuhlen gemeinsam die neben dem Denkmal aufgestellte Öllampe, als Licht der Hoffnung, entzünden. „Respekt vor den Toten ist das Höchste“, mahnt Albert Kuhlen, der in der katholischen Gemeinde der Tamilen tätig ist, „auch wenn man sich im Leben bekriegt und sogar tötet, sollte man die Verstorbenen achten. Das ist ein Mindestmaß an Menschlichkeit.“

Doch das bleibt die einzige öffentliche Anspielung auf die politische Situation der Tamilen in Sri Lanka. Zwar gab es im Vorfeld von Seiten Grün & Grugas Bedenken, der Trauerzug könne sich in einen Demonstrationszug verwandeln, doch haben sich diese nicht bestätigt. Ganz im Gegenteil: „Ich habe selten so ein friedliche Trauergemeinde dieser Größe gesehen“, sagt Hans-Joachim Hüser, bei Grün & Gruga für die Friedhöfe zuständig, „hier kann man die tiefen Gefühle, die diese Menschen bewegen, deutlich spüren.“

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Foto: Knut Vahlensieck
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