IndoGerman Filmweek Berlin – Frauen im indischen Kino

Frauen im indischen Kino (Women in Indian Cinema) – die 6. Ausgabe der IndoGerman Filmweek im Kino Babylon in Berlin feiert vom 16. bis 26. August 2018 mit über 40 Filmen, davon 20 Deutschland- und acht Berlin-Premieren, die weltweit größte Kinonation Indien. Dabei spielen Frauen eine tragende Rolle, die insbesondere für das europäische Publikum, spannende Facetten bereithält.

Stars und Prominente

 IndoGerman Filmweek Berlin
Gold. © IndoGerman Filmweek Berlin

Zur feierlichen Eröffnung am 16. August um 19.30 Uhr durch ihre Excellenz, die indische Botschafterin  Mukta Dutta Tomar werden unter anderem die Schauspielerin Tannishtha Chatterjee (Dr. Rakmabhai), die Regisseurin Vandana Kataria (Noblemen) und die Regisseure Arjun Mukerjee (3 Storeys) und Anup Singh (Song of Scorpions) erwartet. Nach dem Tanz-Eröffnungsprogramm feiert „Gold“ seine Deutschland-Premiere im Babylon. 1948, nach der Unabhängigkeit Indiens, gewann das Land seine erste Goldmedaille – mit seiner Hockeymannschaft.

Filmhighlights für Bollywood-Fans

 IndoGerman Filmweek Berlin
Padmaavat. © IndoGerman Filmweek Berlin

Deutsche Bollywood-Fans werden nicht nur durch die Filme mit Ajay Devgn („RAID“), Akshay Kumar („Gold“, „Padman“), Dhanush („The extraordinary Journey oft he Fakir“), Ranbir Kapoor („Sanju“), Salman Khan („Tiger Zinda Hai“) und Shah Rukh Khan („Jab Harry met Sejal“) oder die zahlreichen romantischen Komödien (wie z. B. „Geetha Govindam“) im Festival auf ihre Kosten kommen: Die Filme „Padmavaat“ und „Hotel Salvation“ werden erstmals in der deutschen Synchronfassung gezeigt.

Starke Frauen, Mütter im Zentrum

 IndoGerman Filmweek Berlin
Shubh Mangal Saavdhan. © IndoGerman Filmweek Berlin

In zahlreichen Filmen sind starke Frauen im Zentrum der Geschichten, wie in „Tumhari Sulu“, „Hichki“, „Song of Scorpions“ oder „3 Storeys“ in „Aruvi“ (in tamilischer Sprache) oder „Chuskit“ (in Ladakhi).

Überraschende, bewegende Kinomomente werden die Festivalbesucher erleben mit “Nude”, “My Son Is Gay” und “Love and Shukla”. Alle drei Filme zeigen die Mutter als zentrale, gewichtige Figur. Die Untreue ihres Ehemanns kann Yamuna in dem kontrovers diskutierten „Nude“ nicht akzeptieren und verlässt mit ihrem Sohn das Dorf. Durch eine Verwandte erhält sie eine Arbeit, die unbedingt geheim bleiben muss: Als Aktmodell in einer Kunstschule in Mumbai verdient Yamuna das Geld für die Ausbildung ihres Sohnes. Nach anfänglichen, immensen Widerständen, sich derart zu exponieren, gewinnt Yamuna im Laufe der Zeit Verständnis für die Kunst, ganz im Gegensatz zu einigen Menschen, welche die für sie unmoralische Kunstfreiheit gewaltsam bekämpfen wollen. Yamunas Hoffnung ist jedoch, dass ihr Sohn durch sein Studium lernt frei zu denken. Ein Skype-Interview mit dem Regisseur Ravi Jadhav findet am 18.08.2018 ab 17.15 Uhr statt.

„She gave him unconditional love, with some exceptions” – Lakshmi in “My Son is Gay” ist eine taffe Schulleiterin, ihr Sohn Varun ist ihr Ein und Alles. Als dieser für sich erkennt, dass er Männer liebt, vertraut er sich einem Arzt an und findet in ihm wohltuende Unterstützung. Doch Varun hat Angst, sich seiner Mutter zu offenbaren. Zu Recht, denn diese bricht schockiert und angeekelt den Kontakt zu ihm ab. Zumindest seine Freunde versuchen Varun zu unterstützen. Weitere LGBT-Filme, die gezeigt werden, sind: „Shab“ von Onir und „Nobelman“ von Vandana Kataria.

Insbesondere die junge, indische Generation konnte sich mit „Love and Shukla“ identifizieren. Sex zu haben, wenn die Eltern sich im gleichen Raum hinter einer „Mauer“ aus Koffern befinden, ist quasi unmöglich, eine alles managende (Schwieger-)Mutter die beste Verhütung. Deshalb will der junge Rikshafahrer Shukla mit seiner Braut in einem Hotelzimmer übernachten und trifft dort auf die nächste Herausforderung.

Ungewöhnlich ist auch das Thema des Filmhits und Comedy-Dramas „Shubh Mangal Saavdhan“: Erektionsstörungen. Das junge Paar Mudit und Sugandha will die Chance nutzen, als die Eltern des Mädchens verreisen. Doch statt Erotik pur zu erleben, begeben sich die beiden nun auf die hürdenvolle Suche nach der Lösung des Problems. Regisseur R.S. Prasanna landete mit dem Hindi-Remake seines tamilischen Films einen so großen Erfolg, dass ein Sequel geplant ist.

Dokumentarfilme

 IndoGerman Filmweek Berlin
Der indische Sexexperte Dr. Mahinda Watsa. © IndoGerman Filmweek Berlin

Am 17.08.2018, 19.30 Uhr, zur Deutschlandpremiere des Biopics „Dr. Rakmabai“ über die erste praktizierende Ärztin Indiens (1864–1955), die sich als 20-Jährige erfolgreich gerichtlich gegen ihre Kinderehe zur Wehr setzte, gibt es ein Meet and Greet mit der preisgekrönten Hauptdarstellerin Tannishtha Chatterjee („Schatten der Zeit“, „Brick Lane“, „Anna Karenina“, „7 Göttinnen“). Das Selbstbewusstsein der historischen Figur spiegelt sich in ihrer Begegnung mit dem Prince of Wales wider: „I always thought that women in England are treated equally. But sadly it’s not any different from my country.”

Auf keinen Fall verpassen, sollte man den Dokumentarfilm „Ask the Sexexpert“ über den indischen Dr. Sommer, den über 90-jährigen Dr. Mahinder Watsa, der mit seiner täglichen Sexkolumne eine Legende ist und viele Sorgen und Fragen seiner Leser sachlich, aber mit Humor beantwortet. So trifft er nicht nur auf der Straße und während Lesungen auf Fans verschiedenen Alters.

Top 1 laut IMDB-Liste 2017

Top 1 der IMDB-Liste der besten indischen Filme des Jahres 2017 ist der Film Noir und Action-Thriller „Vikram Veda“, den das Festival als Deutschland-Premiere zeigt. Dass der Film auf Platz 1 landete, war eine Sensation, denn das Fantasy-Drama „Baahubali 2: The Conclusion“ war der an Besucherzahlen erfolgreichste, indische Film aller Zeiten. Inspiriert von der Legendensammlung Baital Pachisi versucht in „Vikram Veda“ der Gangster Veda mit drei Geschichten die eindeutige Einteilung in Gut und Böse, die Kommissar Vikram für unumstößlich hält, ins Wanken zu bringen.

Ausstellung parallel zum Festival

Parallel zum Festival läuft die Ausstellung „Women in Indian Cinema“ des in Berlin lebenden Künstlers Allen Shaw und des indischen Fotografen Siddharth Kaneria. Die handgemalte indische Plakatkunst mit Einflüssen des sowjetischen Konstruktivismus und die Argyrotype-Prints von Fotografien feiern den Beitrag von Frauen in der indischen Filmindustrie. Zu sehen ist z. B. ein Porträt des Festivalgasts Tannishtha Chatterjee.

Rahmenprogramm

Eintritt frei heißt es wieder für alle Veranstaltungen des Rahmenprogramms, das AMIKAL e.V. durchführt, das viele Facetten des Subkontinents präsentiert und authentische Momente verspricht. Dazu gehören z. B. am 18.08. der Vortrag „Die Schätze unserer Natur- Gewürze als natürliches Heilmittel“, am 19.08. der Workshop „Raksha Bandhan – die Bindung zwischen Geschwistern, gemeinsames Rakhi basteln“ oder am 24.08. der Vortrag „Sound – The hidden picture“.

Festivalorganisator Stephan Ottenbruch: „2017 und 2018 konnte das regionale, indische Kino wie Kollywood und Tollywood bisher große Erfolge gegenüber dem in Europa bekannten Hindi-Bollywood-Kino verbuchen. Die IndoGerman Filmweek präsentiert deshalb wichtige Filme aus dem tamilischen Sprachgebiet, aber auch Produktionen in Malayalam, Kannada und Telugu. Angetrieben durch die Bedürfnisse der wohlhabenden Mittelschicht erobern immer mehr junge Talente auch mit kleineren Filmbudgets die Kinos der Großstädte. Unsere Festivalbesucher erwartet eine spannende Filmreise auf den Subkontinent.“

Weitere Infos:

Festivalticket: 50 Euro / jedes Ticket 4 Euro (ggf. Längenzuschlag) / Babylon-T-Shirt einmalig 20 Euro

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