Priya Ragu: Damnshestamil

Es gibt echt schräge Momente. „Forget About“ zum Beispiel, eine ganz klassische Ballade, die klingt, als wolle Priya Ragu doch lieber Alicia Keys beerben – und nicht bloß die Ideen von M.I.A. oder Greentea Peng in die Charts tragen. Aber andererseits ist „Forget About“ dann doch eine Spur zu cheesy, als dass nicht doch die Zunge in der Wange steckt. Und klar, kaum ist der Schmalzsong zu Ende, wird er gekontert mit „Santhosam“, mit einer indischen Melodie, klappernder Percussion, der ganzen traditionellen Bollywood-Glorie.

Ragu ist schon 35 Jahre alt, geboren und aufgewachsen in der Schweiz als Kind tamilischer Geflüchteter aus Sri Lanka, und hat nach zehn Jahren ihren Job bei der Swiss Air gekündigt, um sich auf den Weg zum globalen Popstar zu machen. Ihre bisherigen, im Streaming schon abgehobenen Singles werden mit ein paar neuen Songs zusammengefasst zu einem Mixtape, denn das erste richtige Album soll dann der große Aufschlag werden.

Der wäre zwar gar nicht nötig, denn DAMNSHESTAMIL ist vom Opener, dem Black-Eyed-Peas-artigen Surrogat-Soul von „Leaf High“, bis zum als Bonus-Track versteckten Ohrwurm „Santhosam“ ein tolles Debüt voller grandioser Melodien, irrwitzigem Genre-Hopping und reueloser kultureller Aneignung. Aber Mixtape ist schon gut, denn das Format, dem grundsätzlich eine Zerrissenheit innewohnt, passt prima zu den Songs, die sich vielleicht ein wenig naiv, aber eben auch unbeschwert auf mehr Stühle setzen als im globalen Dorf so rumstehen.

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